I've always wanted to be an expert on tadpoles. I've always fancied being a tadpole expert. It's a wonderful life if you become an experty tadpoleous, as they are known in the trade. You get invited to all the smart parties and social gatherings. Peter Edward Cook: "The Tadpole Expert" (1964)
Die Amphibien Madagaskars sind ein Paradebeispiel für den beeindruckenden Artenreichtum und Endemismus auf dieser alten Insel. Alle einheimischen Arten sind auf Madagaskar & umliegenden Inseln endemisch. Insgesamt finden sich hier 373 bis 465 bis jetzt bekannte Arten aus fünf Familien, die sich in sechs Gruppen unterschiedlichen Ursprungs einteilen lassen.
Die Mantellidae sind eine madagaskarendemische Familie (zwei Arten kommen auf der Komoreninsel Mayotte vor). Diese größte Gruppe von Amphibien Madagaskars hat die Insel vor rund 58 Mio Jahren besiedelt. Die nächsten Verwandten sind die Rhacophoridae in Asien.
Die Cophylinae und die Scaphiophryninae , zwei Unterfamilien der Microhylidae , stellen eine monophyletische Gruppe dar, die rund 60 Mio Jahre alt ist und deren nächste Verwandtschaft in Afrika zu finden ist.
Frösche aus der Unterfamilie Dyscophinae (auch Microhylidae) kamen ebenso vor rund 60 Mio Jahren, allerdings unabhängig von Cophylinae und Scaphiophryninae. Ihre nächste Verwandtschaft findet sich ausschließlich in Asien.
Die Hyperroliidae , die sich ansonsten auch noch in Afrika und den Seychellen finden, sind mit der Gattung Heterixalus auf Madagaskar vertreten. Deren Vorfahr kam vor 22 Mio Jahren.
Die Ptychadenidae , die in Afrika südlich der Sahara und Madagaskar endemisch sind, sind mit einer einzigen Art, Ptychadena mascareniensis , in Afrika heimisch. Dies ist eine noch junge Gruppe Madagaskars.
Ebenfalls noch nicht sehr lange sind die Dicroglossidae mit Hoplobatrachus tigerinus auf Madagaskar. Diese Art ist möglicherweise durch den Menschen eingeschleppt worden.
Eine ausführliche Beschreibung dieser Gruppen sowie eine beeindruckende Fülle an Bildern und Informationen auf Artniveau bietet A field guide to the amphibians and reptiles of Madagascar von Frank Glaw und Miguel Vences. Hier finden sich auch reichhaltige Informationen zur Reproduktion und den Kaulquappen. Bei einer Reise nach Madagaskar gehört dieses Buch ins Gepäck.
Nicht überall auf Madagaskar finden sich Vertreter aller oben dargestellter Gruppen. Vor allem der Regenwald in den Bergen im Osten Madagaskars, wo sich auch der Nationalpark Ranomafana befindet, ist durch enormen Artenreichtum gekennzeichnet. Weniger Arten finden sich in sehr hoch gelegenen Regionen sowie im trockenen Westen. In Ranomafana, meinem Hauptarbeitsgebiet, z.B. fehlen die Dicroglossidae und von den Microhylidae die Dyscophinae, Gattungen der Cophylinae, sowie eine Vielzahl an Arten aus allen Familien. Insgesamt gibt es dort aber mehr als 115 Froscharten.
Tropische Frösche sind mitnichten immer bunt. Die Mehrzahl der Frösche weist eine eher braune Tarnfärbung auf. Auch sind die meisten Tiere ziemlich klein. Es gibt natürlich sehr auffällig gefärbte Ausnahmen. Hier auf Madagaskar gehören dazu die Frösche der Gattung Mantella (Mantellidae), dem madagassischen Pendant der Dendrobatidae der Neotropen. Auch bei Mantella handelt es sich um eine Warnfärbung, wenngleich die Frösche keine für den Menschen gefährliche Giftigkeit aufweisen. Eine ausgeprägte Farbigkeit (primär grün) findet sich unter anderem auch bei den Baumfröschen der Gattung Boophis (Mantellidae), die sich vor allem tagsüber hoch oben im Blattwerk der Bäume aufhalten. Für einige Gruppen ist die Färbung ein nützliches Bestimmungsmerkmal, bei vielen Gruppen ist die farbliche Variabilität so hoch, dass eine Artbestimmung anhand der Färbung nicht möglich ist.





Es gibt eine beeindruckende Vielfalt an Reproduktionsmodi auf Madagaskar, die anderen tropischen Regionen, trotz der relativ geringen Größe Madagaskars, in nichts nachsteht. Während hier alle Frösche Eier legen und eine äußere Befruchtung aufweisen, gibt es große Differenzen bei der Paarung, Art und Ort der Eiablage sowie dem Kaulquappentyp.
So gibt es hier Arten (alle außer Mantellinae), die einen Amplexus aufweisen. Die Mantellinae aber zeigen stark abgewandeltes Paarungsverhalten: Wenn die Paarung an Blättern oder Felsen außerhalb des Wasser stattfindet, sitzt das Männchen oberhalb des Weibchens und lässt seinen Samen über dieses auf die abgelegten Eier laufen.





















